Innenhöfe mit Potenzial
In der finnischen Wohnkultur ist es seit jeher üblich, dass jeder Haushalt einen klar abgegrenzten Hofbereich für sich nutzt. Besonders im frühen 20. Jahrhundert war diese Trennung deutlich sichtbar: In Helsinki wurden sogar Zäune zwischen den Höfen verschiedener Wohnanlagen errichtet – offiziell aus Brandschutzgründen.
Doch ein Innenhof kann mehr sein als ein abgetrennter Raum. Er bietet die Chance, Nachbarschaft neu zu denken – als Ort der Begegnung, des Austauschs und des gemeinsamen Erlebens.
Grenzen neu denken – Gemeinschaft statt Abgrenzung
Es fällt nicht leicht, sich vom Konzept klarer Abgrenzungen zu lösen. In Helsinki engagiert sich die Initiative Korttelipihat takaisin („Höfe zurück ins Quartier“) für genau diesen Wandel: Ziel ist es, mehr gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe in die Stadt zurückzubringen – als Räume für Begegnung und gemeinsames Erleben.
Erste ermutigende Beispiele für eine neue Hofkultur entstehen bereits. In Leinelä (Vantaa) und in Turku wurden Innenhöfe realisiert, die von mehreren Wohnanlagen gemeinsam genutzt werden – ganz ohne sichtbare Begrenzungszäune. Während zuvor jede Wohnanlage eigene Spielplätze, Müllsammelstellen und Gemeinschaftsbereiche anlegte, ermöglichen die sogenannten Blockhöfe ein übergreifendes Konzept – größer, hochwertiger und gemeinschaftlich.
Ein besonderes Merkmal der Projekte in Turku und Leinelä ist eine umlaufende, befestigte Laufstrecke. Durch die gemeinsame Planung entstanden auch Räume, die bei Einzelumsetzung wohl nicht realisiert worden wären. In Turku wurde beispielsweise ein zentrales Gemeinschaftsgebäude errichtet, dessen Nutzung durch die Anwohner selbst gestaltet und entschieden wird. Direkt daneben: eine gemeinschaftliche Sommerküche und Hochbeete. Für Kinder gibt es eigene Spielbereiche, für ältere Bewohner*innen einen Aktivbereich im Freien.
Geteilte Höfe – wirtschaftlich und lebendig
Ein gemeinschaftlich genutzter Innenhof stärkt nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern ermöglicht auch eine hochwertigere und vielfältigere Gestaltung. Gemeinsame Lösungen für Winterdienst und Abfallmanagement führen zudem zu spürbaren Kosteneinsparungen. Im besten Fall entstehen durch die gemeinsame Nutzung wechselnde Aufgabenverteilungen, zum Beispiel bei der Beaufsichtigung von spielenden Kindern.
Große Höfe bieten Raum für naturnahe Gestaltung. Eine vielfältige Bepflanzung schafft Lebensraum für zahlreiche Arten – von Vögeln bis hin zu Insekten. Eine hohe Artenvielfalt bringt mehr Lebendigkeit in den Hof und fördert die ökologische Qualität.
Ein gemeinsamer Innenhof lässt sich funktional in verschiedene Bereiche gliedern, die den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzergruppen gerecht werden. Ruhige Ecken laden ältere Menschen oder Ruhesuchende zum Verweilen ein, während offene Flächen Platz für geselliges Beisammensein bieten. Für Sportbegeisterte können Abstellbereiche für Ausrüstung geschaffen werden, und Kinder finden passende Spielzonen. Die Nutzungsmöglichkeiten eines Hofes entwickeln sich weiter. Überdachte Bereiche ermöglichen gemeinsame Aktivitäten auch bei Regen. Eine Sommerküche oder Feuerstellen schaffen Raum für nachbarschaftliche Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen.
Professionelle Unterstützung nutzen
Wenn Wohnungsbaugesellschaften darüber nachdenken, die Zäune zwischen ihren Hofbereichen zu entfernen, lohnt es sich, eine professionelle Planungsunterstützung hinzuzuziehen. Fachleute bringen nicht nur Erfahrung mit, sondern auch die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse der Anwohnenden einzugehen und verschiedene Lösungsvorschläge zu entwickeln.
Eine moderne Variante des Innenhofs ist das begrünte Dach auf einem Carport. Solche Konzepte finden sich zunehmend in innerstädtischen Bereichen und verdichteten Siedlungsgebieten – ein Trend, der sich weiter fortsetzt.
Neue oder sanierte Hofbereiche können heutige Anforderungen gezielt aufgreifen: etwa die Nutzung von Regenwasser, wasserdurchlässige Beläge, eine artenreiche Bepflanzung, gemeinschaftliche Nutzungen, urbane Gartenflächen, Begegnungsräume und Angebote für unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen.
Im Idealfall entsteht durch die gemeinsame Planung eines Hofs eine echte Kooperation unter den Anwohnenden. Wer aktiv an der Gestaltung beteiligt ist, entwickelt ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl – und übernimmt Verantwortung für den Ort.
Veröffentlichung:
Der Artikel erschien ursprünglich auf Finnisch in der RIA-Zeitschrift, Ausgabe 4/2022.
Autor: Seppo Närhi
Gartenberater
Gemeinsam mit seiner Frau Paula Ritanen-Närhi produzierte er die Fernsehsendung Das Paradies im Hinterhof für den finnischen Sender AlfaTV. 2020 ging er als Generalsekretär und Chefredakteur der Fachzeitschrift Viherympäristö des finnischen Landschaftsverbands in den Ruhestand.
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