Eine Landschaft, die zum Spielen einlädt

Was bedenkt ein Designer zuerst, wenn er einen Spielplatz bauen soll? Ehrlich gesagt: das Budget und den vorhandene Platz. Im schlimmsten Fall besteht der Designprozess dann nur noch darin, die Spielgeräte an der richtigen Stelle unterzubringen und die Kosten zu kalkulieren. Ist das gut genug? Nein, bei weitem nicht, aber leider tendieren Designer häufig zu dieser Arbeitsweise.

Wenn der Innenhof eines Wohngebäudes renoviert wird, hört man oft von den Bewohnern, dass heutzutage nur noch wenige Kinder im Gebäude leben. Manchmal wird sogar vorgeschlagen, dass der Spielplatz durch einen Parkplatz ersetzt werden soll, obwohl vor Änderungen dieser Art der Stadtplan immer überprüft werden sollte. Ein grüner, gepflegter Spielplatz kann beim Verkauf einer Wohnung ein Vorteil sein, während ein unordentlicher Hof mit abgenutzten Geräten potentielle Käufer abschrecken kann. Eine gute Idee ist es daher für benachbarte Wohnungsunternehmen, sich zusammenzuschließen und einen gemeinsamen Spielplatz statt mehrere kleinere separate Spielplätze für jede Wohnungsgesellschaft zu bauen.

Trotzdem gibt es keine Möglichkeit, die räumlichen und haushaltsmäßigen Einschränkungen zu umgehen . Wo es wenig Platz gibt, von dem vieles auch noch für Rettungs- und Servicefahrzeuge zugänglich sein muss, könnte hartes Material eine ideale Lösung  sein. Dieses könnte für Kinder-Outdoor-Spiele geeignet sein, außerdem langlebig und platzsparend. Wartungsarbeiten im Winter schaffen weitere Probleme. Gartenmöbel können zwar leicht entfernt werden, um den Weg für Schneepflüge frei zu machen, Spielplatzausrüstung allerdings ist fest auf dem Boden befestigt.

Ein kleiner Spielplatz in Malmö, Schweden, fügt sich in die Umgebung ein und unterstreicht deren Meeresatmosphäre.

Ein großer Sandkasten an der Themse. 

Sicherheit ist wichtig, aber kann nicht der einzige Faktor beim Design von Spielplätzen sein.

Kinder lieben die Natur und die Abenteuer, die sie bietet. Wenn ein Spielplatz in der Nähe eines Felsens, eines Gewässers oder eines Waldes liegen kann, eröffnet dies eine ganze Welt der Möglichkeiten. Sogar ein einzelner großer Baum kann einen Spielplatz mit der Umgebung verbinden, Schutz und Schatten bieten und  die Lage besonders machen.  Kinder lieben umgestürzte Bäume und ein abwechslungsreiches Gelände mit vielen Verstecken, ganz zu schweigen von Wasserspielen. Die Begeisterung der Eltern hält sich dahingehend allerdings in Grenzen, da sie sich danach um die nassen Schuhe und schlammigen Kleider kümmern müssen. Außerdem könnten sich die Kinder verletzen, wenn sie von einem Baumstamm herunterfallen. Versteckplätze sind nicht ideal auf einem Kindergartenspielplatz, da es die Betreuung der Kinder schwerer macht. In öffentlichen Bereichen ist es verboten, Schlupfwinkel zu bauen, denn wenn ein Unfall  passiert, würde niemand die Verantwortung übernehmen wollen.

Kinder haben einen natürlichen Forscherdrang

Kleinkinder lieben es, verschiedene Oberflächen und Texturen zu erfühlen und zum Beispiel die Herausforderung zu bewältigen, die durch einen einfachen Bordstein verursacht wird. Auch alle Schlaglöcher, Dellen und Treppen auf dem Weg müssen sorgfältig untersucht werden. Ein Zweijähriger kann noch nicht mit anderen spielen, aber ein Fünfjähriger wird sich mit jedem anfreunden. Bei der Gestaltung eines Spielplatzes ist es deswegen wichtig zu berücksichtigen, wie viele Kinder ihn benutzen werden und in welchem Altersabschnitt sie sich bewegen: Ein Schulhof für Teenager kann nicht auch für kleine Kinder entworfen werden. Im Allgemeinen bewegen sich Kinder heutzutage weniger als je zuvor und Schulhöfe spielen eine wichtige Rolle dabei, die Kinder zur Bewegung zu motivieren. Auch bekannt ist, dass körperliche Aktivität während der Pausenzeiten die Konzentrations- und Lernfähigkeit der Kinder verbessert.

Es gibt eine Stadt in Finnland, wo die Bepflanzung von Beerenbüschen in Kindergartenhöfen aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen verboten ist. Es wird angenommen, dass Kinder, wenn sie in der Kindertagesstätte  lernen Beeren direkt aus dem Busch zu essen, denken könnten, dass alle Beeren essbar sind und deswegen irgendwann Vergiftung sterben. Meinen diese Leute das ernst? Spielplätze mit Stahlzäunen, die verschiedene Funktionen für die Vereinfachung der Wartung und Überwachung trennen, sind meiner Meinung nach einfach bedrückend. Gibt es wirklich keinen anderen Weg außer einem Stahlzaun, um zum Beispiel die Schaukeln von anderen Aktivitäten und Elementen zu trennen? Wie wäre es, die Schaukeln stattdessen auf eine erhöhte Ebene zu stellen oder einen Schwebebalken als Raumteiler zu bauen - und ja, mit dem Ziel, dass darauf gegangen und balanciert wird, natürlich unter Berücksichtigung des notwendigen Sicherheitsabstands. Klettern und Balancieren ist gut für Kinder.

Der beste Spielplatz ist derjenige, der sich mühelos in die umliegende Landschaft und Pflanzen einfügt. Da kleine Kinder auf einem Spielplatz von einem Erwachsenen begleitet werden müssen, muss der Spielplatz auch für Erwachsene attraktiv sein. Wenn es dem Konstrukteur gelingt, den natürlichen Geist des Ortes zu erwecken und zu nutzen und man sieht, dass Kinder die Möglichkeiten des Geländes genießen, dann kann von guter Arbeit gesprochen werden.

 

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Text&Fotos: Eeva Blomberg

Eeva Blomberg
Eeva Blomberg
Eeva Blomberg ist Landschaftsarchitektin, Sachbearbeiterin und Präsidentin von Maisemasuunnittelijat ry, einem finnischen Verband für Landschaftsarchitektur. Außerdem ist sie im Team der "Finnish Association of Landscape Industries, Viherympäristöliitto ry VYL", und schreibt Kolumnen für ein finnisches Magazin namens Viherympäristö.

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